Ich trau dir das zu!

Kennen Sie das? Sie möchten eine Aufgabe übernehmen, etwas Neues ausprobieren oder etwas lernen – eigentlich. Wenn da nicht dieser letzte Zweifel wäre, ob Sie das wirklich hinbekommen oder nicht doch womöglich, oh Schreck, scheitern. Sie zögern. Und dann sagt eine gute Freundin, ein guter Freund: „Ich trau dir das zu!“

Eine unendlich wertvolle Botschaft. Sie kann der letzte Anstoß sein, den Schritt zu wagen, Neues zu erkunden, Altes beherzt aufzufrischen.

In Was würdest du tun? Wie uns das Bedingungslose Grundeinkommen verändert beschreiben Michael Bohmeyer und Claudia Cornelsen, was sie von Gewinner*innen bei Mein-Grundeinkommen.de in Interviews erfahren haben. Sie haben sechs Facetten herausgefiltert, die die Erfahrungen mit einem Jahr Bedingungslosem Grundeinkommen (BGE) ausmachen. Erlebtes Zutrauen ist die erste davon und ich finde, es lohnt sich, über Botschaften des Zutrauens nachzudenken.

Jemandem Gutes zutrauen

Darin, wie wir Menschen begegnen, was wir ihnen geben und ihnen gegenüber preisgeben, drückt sich aus, was wir ihnen zutrauen.

  • Wenn ich jemandem sehr Persönliches erzähle, traue ich dieser Person Diskretion und Freundlichkeit zu.
  • Wenn ich einem Menschen eine verantwortungsvolle Aufgabe übergebe, traue ich ihm die dafür nötigen Fähigkeiten und das notwendige Verantwortungsbewusstsein zu.
  • Wenn ich Sie mit einem Problem oder einem Rätsel konfrontiere, traue ich Ihnen zu, eine Lösung zu finden.
  • Wenn ich ein Kind alleine zur Schule schicke, traue ich ihm zu, den Weg zu finden und unterwegs auf die Verkehrsregeln und andere Verkehrsteilnehmende zu achten.

Solche impliziten Botschaften lösen bei den Empfängerinnen und Empfängern etwas aus. Sie erhöhen deren Selbstvertrauen und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich des Zutrauens würdig erweisen.

Das Zutrauen anderer in uns kann das Selbstvertrauen auslösen, das uns aus dem Zögern ins Tun bringt und nach einem Scheitern neu durchstarten lässt.

Das scheint sogar mit Geld zu funktionieren. Das Geld, das wir im Nachhinein für Leistung bekommen, bestätigt, das wir eine Aufgabe erfüllt haben. Geld, das wir ohne Vorleistung bedingungslos bekommen, drückt dagegen das Zutrauen aus, dass wir es vernünftig, sinnvoll, im Sinne der Gemeinschaft, zumindest nicht gegen sie einsetzen – gerne auch für uns selbst, weil wir es wert sind.

Jemandem einen Mord zutrauen

Kennen Sie die Serie Downton Abbey? Darin geraten Anna und Mr. Bates von einem Drama ins nächste und als Anna von Lord Gillinghams Kammerdiener vergewaltigt wird, zeigt sich: Sie traut ihrem geliebten Mr. Bates einen Mord zu. Um zu verhindern, dass er gehängt wird, vertraut sie sich ihm nicht an und die Beziehung droht zu zerbrechen.

Auch wenn wir anderen Gewalttätigkeit, Gemeinheit, Zynismus, Faulheit, Betrug oder die Ausnutzung anderer zutrauen, vermitteln wir dieses Zutrauen durch unser Verhalten. Wir machen einen Bogen um sie, beäugen sie misstrauisch, sichern unser Eigentum, führen Kontrollmechanismen ein und geben nur etwas gegen den wiederholten Beweis, dass sie es wirklich brauchen und so einsetzen, wie wir es für richtig halten.

Was löst ein solches Verhalten aus? Im besten Falle führt es nur dazu, dass die Betreffenden ihre Energie dafür einsetzen, die geforderten Rechtfertigungen und Beweise zu erbringen. Oder dazu, dass sie uns ebenfalls misstrauisch beäugen und uns ausweichen. Im schlechteren Fall löst es Frust und Resignation oder Wut und Gewaltbereitschaft aus und führt genau zu der Reaktion, die wir verhindern wollten. Natürlich fühlen wir uns dann bestätigt in unserer Einschätzung. Ich halte es für müßig, hier nach Henne und Ei zu suchen. Die Frage ist nicht, wer den Teufelskreis angestoßen hat, sondern wer aus ihm aussteigt.

Wenn also der Staat nachweislich bedürftige Personen mit einer knappen Geldsumme plus Wohnung plus weitere Leistungen unterstützt, wachsen dann vor allem die Scham, die Sorgen und die Resignation, während das Selbstvertrauen im Keller verschwindet? Fließt so viel Energie in Nachweise, Rechtfertigungen und nur bedingt zielführende Maßnahmen, dass keine Ressourcen mehr für motivierte, konstruktive Lebensgestaltung übrig sind? Ich finde das zumindest überlegens- und überprüfenswert und freue mich über das Pilotprojekt, das die Auswirkungen eines BGE systematisch durchspielen soll.

Zutrauen tut allen gut

Interessant fand ich in Was würdest du tun? Wie uns das Bedingungslose Grundeinkommen verändert, dass die Wirkung des BGE, die Freude über das erlebte Zutrauen auch bei denjenigen griff, die keinen finanziellen Mangel litten.

Natürlich wäre es schön, wenn ein solch breit greifendes Mittel gefunden und politisch umgesetzt würde. Doch die positiven Effekte des erlebten Zutrauens können wir sofort nutzen.

Botschaften des Zutrauens können zur Lebenskunst ermutigen. Also lassen Sie uns möglichst viele dieser Botschaften aussenden.

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