Gemeinschaftstaugliche Selbstverwirklichung

Der Begriff Selbstverwirklichung enthält ein großes Versprechen und einen faden Beigeschmack. Sie ist ein wesentliches Element der Lebenskunst und kann zugleich in Egozentrik münden.

Deshalb: Obwohl die Selbstverwirklichung im Fokus dieses Artikels steht, möchte ich gleich zum Einstieg erwähnen, dass sie nur im Kombination mit bewusster Beziehungsgestaltung und Umfeldgestaltung zur Lebenskunst im Sinne dieses Blogs beiträgt.

2 Bausteine zur Selbstverwirklichung

Ich verstehe Selbstverwirklichung als eine Kombination aus Selbstentfaltung und Weiterentwicklung.

Selbstentfaltung bedeutet, Sie lassen heraus, was Konstruktives in Ihnen steckt. Ihre Kompetenzen, Fähigkeiten, Charakterstärken und Überzeugungen kommen in Ihrer Alltagsgestaltung, in Ihren Zielsetzungen und Ihren Beziehungen zum Tragen. Für eine gemeinschaftstaugliche Selbstverwirklichung fragen Sie sich: Wie kann ich meine Originalität konkret ausleben? Und wie kann ich sie in meinen Beziehungen und in der Gesellschaft konstruktiv einbringen?

Eine egozentrische Form der Selbstverwirklichung hat diesen Namen gar nicht verdient, denn sie entsteht aus einem Mangeldenken: „Ich bin bisher zu kurz gekommen und jetzt bin endlich ich mal dran.“ Da gibt es (scheinbar) nichts zu entfalten, sondern es sollen Löcher gestopft werden.

Der zweite Baustein, die Weiterentwicklung, passiert zum Teil automatisch bei der Selbstentfaltung, da sie zu neuen Assoziationen, Erfahrungen und veränderten Begegnungen führt. Das merke ich zum Beispiel als Coach, wenn ich aus einem Coaching neue Anregungen für das nächste Coaching mitnehme.

Darüber hinaus ist es sinnvoll und befruchtend, die eigenen Stärken bewusst auszubauen und sinnvoll zu ergänzen sowie neue Erfahrungen und Begegnungen gezielt zu suchen. Das macht im eigenen Interessen- und Stärkenbereich nicht nur Spaß, es schützt auch vor Stagnation und Leere. Wer immer wieder rauslässt, was in ihr oder ihm steckt, muss auch Neues reinholen, damit da noch etwas ist.

Die Basis: sich kennen und akzeptieren

Was steckt denn in Ihnen? Wenn Sie das nicht wissen, können Sie es nicht bewusst in Ihrer Lebensgestaltung zum Tragen bringen. Selbst wenn Sie sich einiger Merkmale und Fähigkeiten bewusst sind, haben Sie vermutlich nicht sofort das komplette Bild vor Augen. Oft betrachten wir nur die Bereiche, die in unserem nahen Umfeld besonders betont werden. Es lohnt sich, einmal systematisch zu reflektieren, welche Werte für uns maßgeblich sind, welche Neigungen uns prägen, welche Überzeugungen und Fähigkeiten uns ausmachen, welche Themen unser Interesse wecken, etc.

Wenn Sie anfangen, das alles für sich aufzuschreiben, werden Ihnen höchstwahrscheinlich sofort und später Ergänzungen einfallen. Oft können nahestehende Personen die Listen wunderbar ergänzen.

Dabei fallen einem allerdings auch Bereiche ein und auf, die einen weniger begeistern. Das ist gut so. Auch Schwächen, Macken, Schwierigkeiten und Beeinträchtigungen bilden eine wichtige Entscheidungsbasis, wo wir uns engagieren sollten und wo besser nicht. Akzeptanz heißt: So ist es. Punkt. Wenn wir diese Themen nicht wahrnehmen, stehen sie uns bei der Selbstverwirklichung unvermutet im Weg herum und können dazu führen, dass wir aufgeben oder halbherzig unterwegs sind. Wenn wir sie bekämpfen, binden sie meist zu viele Ressourcen. Wenn wir sie dagegen akzeptieren, können wir sie integrieren, über uns lachen und bei Bedarf Lösungen suchen.

Sogar der Stärkenbereich kann Akzeptanz benötigen. Wenn unsere Hauptinteressen und Fähigkeiten in einem künstlerischen, sozialen oder beruflichen Feld liegen, das in unserem nahen Umfeld nicht als wichtig anerkannt ist, kann es schwerfallen, darin überhaupt eine wertvolle Ausrichtung zu erkennen.

Selbstkenntnis und Selbstakzeptanz bilden die Grundlage für die gemeinschaftstaugliche Selbstverwirklichung, die aus einer Grundhaltung der Fülle statt des Mangels kommt: „Da steckt viel in mir, das ich im Alltag, in meinen Beziehungen und in der Gesellschaft aktiver einbringen möchte.“

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