Integrität: Wert-voll leben

Integritaet - Werte leben

„Das ist für mich ein echter Ehrenmann.“ So formulierte eine Bekannte mir gegenüber ihre Hochachtung vor einem gemeinsamen Freund, der sich durch besondere Integrität auszeichnet.

Integrität lohnt sich gleich doppelt: Sie bringt einem erstens Achtung von anderen ein und trägt zweitens zur Selbstachtung bei. Deshalb ist sie aus meiner Sicht ein grundlegendes Element der Lebenskunst.

Hier einige Gedanken dazu, was Integrität ausmacht, was die Folgen mangelnder Integrität sind und wie wir sie ausbauen können.

Was ist Integrität?

Integrität integriert: Integre Menschen integrieren ihre Wertvorstellungen und Überzeugungen in ihre Lebensgestaltung und ihr Handeln. Sie leben im Einklang mit ihren Werten.

Immer? Nein, das schafft niemand. Wenn grundsätzlich integre Menschen es jedoch einmal nicht hinbekommen und sie merken es oder werden darauf hingewiesen, stehen sie dazu und arbeiten daran weiter, weil es ihnen wirklich wichtig ist.

Folgen eines Integritätsverlusts

Wenn eigenes Verhalten den eigenen Wertvorstellungen massiv widerspricht, erleben wir kognitive Dissonanz. Das ist ein schwer erträglicher innerer Missklang, den wir unbedingt auflösen wollen. Es gibt es drei Möglichkeiten des Umgangs damit:

  1. das Verhalten den Werten anpassen
  2. die Werte dem Verhalten anpassen
  3. die Selbstachtung und Glaubwürdigkeit verlieren

Bei der ersten Möglichkeit denke ich an einen Jugendlichen in meinem Bekanntenkreis, der einmal ein Videospiel mitgehen ließ, das er sich nicht leisten konnte. Kaum hatte er den Laden verlassen, ärgerte er sich über sich selbst und brachte es wieder zurück, wobei er dann vom Ladendetektiv ertappt wurde. Peinlich, aber vermutlich ist es bei dem einen Mal geblieben. Er hat sein Verhalten sehr schnell wieder seinen Überzeugungen angepasst.

Die andere Möglichkeit zur Auflösung der Dissonanz besteht darin, die Werte abzuschwächen oder umzudrehen. Manchmal ist das der sinnvollste Weg, z. B. wenn wir feststellen, dass unsere Wertvorstellungen lebensfeindlich rigide sind und weder uns noch anderen nützen.

Oft machen wir uns mit der zweiten Option allerdings etwas vor. Plötzlich ist die Welt halt böse und wir selbst naiv, wenn wir da nicht mitspielen. Oder: Natürlich ist Mobbing nicht in Ordnung, aber diese Person hatte es echt nicht anders verdient. Oder jemand geht zwar fremd, aber mit seiner Partnerin hat das nichts zu tun – die Beziehung stellt er gar nicht in Frage (natürlich darf sie trotzdem nichts davon erfahren). Bei diesen Varianten bleibt die Selbstachtung einigermaßen erhalten, die Glaubwürdigkeit kann trotzdem verloren gehen.

Im dritten Fall gelingt es nicht, die Dissonanz aufzulösen. Wenn es um für uns bedeutsame Werte geht, die wir immer wieder mit Füßen treten, ohne uns das schön reden zu können, gehen wir daran kaputt. Manchmal kriegen wir den Dreh zu Variante 1 und ändern unser Verhalten, wenn es uns schlecht genug geht. Leichter ist es, wenn wir uns frühzeitig professionelle Hilfe suchen.

Zu dieser letzten Variante noch ein Hinweis, weil es mir so wichtig ist und ich es selbst erlebt habe: Manchmal dauert es einfach, bis wir die Kurve kriegen. Wenn Sie jetzt noch nicht mutig genug für die Veränderung sind und erst noch eine Weile leiden müssen, heißt das nicht, dass Sie Ihr ganzes Leben kaputt machen. Sobald Sie die Veränderung ernsthaft in Angriff nehmen, werden Sie wieder zur Gestalterin bzw. zum Gestalter.

Integrität ausbauen

An unserer Integrität können wir in drei Schritten arbeiten:

  1. Werte bewusst machen
  2. Umsetzung reflektieren (inkl. Feedback!)
  3. Baustellen festlegen und nacheinander anpacken

Unter den Begriff Werte fasse ich hier sowohl ethische Grundüberzeugungen als auch persönliche Prioritäten. Die entsprechenden Fragen lauten: Welche Maxime sollen meinen Umgang mit anderen Menschen, mit Tieren, mit der Natur leiten? Welche Lebensbereiche oder -inhalte sind für mich die allerwichtigsten? Schreiben Sie sich das auf.

Im nächsten Schritt schauen Sie auf die letzten 4 bis 52 Wochen zurück und fragen sich: In welchen Verhaltensweisen und Entscheidungen haben sich diese Werte widergespiegelt? Wann haben Sie sie ignorierte oder sich gegenteilig verhalten? Erkennen Sie Muster? Sie können Ihre Liste auch in den nächsten zwei Wochen abends anschauen und im Tagesrückblick noch einmal prüfen, um Ihre persönlichen Stolperfallen zu erkennen. Allerdings können können hier Selbstbild und Fremdbild stark voneinander abweichen. Es lohnt sich, sich über das Reflexionsergebnis mit nahestehenden Personen auszutauschen.

Für den dritten Schritt nehmen Sie sich zunächst eine Baustelle vor. Das kann diejenige sein, die Sie und Ihre Bezugspersonen am stärksten stört. Wenn aber alles im Großen und Ganzen passt, kann die Entscheidung ebenso gut auf der Überlegung beruhen, wo eine Intensivierung der gelebten Werte Ihre Zufriedenheit und die Qualität Ihrer Beziehungen besonders fördert. Lebenskunst ist proaktiv! Viel Freude dabei!


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