Zum Glück ein Buch

„Stellen Sie sich vor, Sie selbst wären das Glück. Würden Sie dann gerne bei sich vorbeikommen?“

Das fragt Eckart von Hirschhausen die Leserinnen und Leser von Glück kommt selten allein* einleitend – gleich nach seinen zwei Vorworten für Optimisten und Pessimisten. Wenn Eckart von Hirschhausen Fakten witzig verpacken darf, ist er in seinem Element wie der Pinguin im Wasser. In diesem Fall beleuchtet er auf seine besonders vergnügliche Art Fakten darüber, was uns glücklich macht und was nicht. Ich habe viel Spaß beim Lesen gehabt und empfehle es meinen Leserinnen und Lesern unbedingt weiter.

Nur: Wie kann ich ein solches Buch angemessen vorstellen? Vielleicht so: Ich füttere Sie nur an, und den Rest – das Lesen, Lachen und ins Leben übertragen – können Sie selbst erledigen.

Wenn das Glück selten allein kommt, womit kommt es dann? Das verrät der Autor in fünf bis sechs Kapiteln. Als Appetithäppchen zitiere ich Ihnen aus jedem dieser Kapitel etwas Eindrückliches …

Kapitel 0: Glück kommt mit Missverständnissen

Kapitel Null? Ja, genau. Hier geht es noch nicht darum, was uns wirklich glücklich macht, sondern um die irrealen Vorstellungen darüber, was uns glücklich machen würde.

Mein Appetithappen für Sie kommt aus dem Abschnitt Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an und lautet:

„Wir sind das, was wir oft denken und tun! Ich sage es deshalb, weil wir uns meistens für jemand ganz anderes halten. Warum können so viele Menschen über Stunden praktisch regungslos auf dem Sofa hocken? Die Antwort: weil sie es geübt haben! Oft. Viele Abende lang. Unter Verzicht auf viele andere Dinge, die sie jetzt nicht mehr so gut können wie Sofahocken. Aber das läuft super.“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 64)

Und ich dachte immer, ich sei ein Naturtalent im Sofahocken!

Kapitel 1: Glück kommt mit anderen

Das ist etwas, was auch die persönlichen Geschichten meiner Protagonisten in 827 Jahre Lebenskunst* mir deutlich gezeigt haben. Das Beisammensein mit anderen macht glücklich – bis auf einige Ausnahmen.

Im Abschnitt Rote Kringel und Bekanntenkreise drückt der Autor das so aus:

„Es gibt Naturtalente, die verbreiten gute Laune, egal wo sie hinkommen. Und es gibt andere Naturtalente, die verbreiten gute Laune, egal wo sie weggehen.“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 127)

Kapitel 2: Glück kommt mit dem Zufall

Haben Sie schon einmal jemanden getroffen, der abergläubisch ist? Bestimmt. Sind Sie es selbst? Bestimmt nicht. Oder? Die Zusammenhänge, die wir uns in unserem Kopf zusammendichten, halten wir selbst schließlich für real.

Von dem, was wir erleben, ist mehr Zufall als wir denken. Eckart von Hirschhausen fragt zur Veranschaulichung, ob uns schon einmal eine Taube mit ihrem Darminhalt getroffen habe und erklärt etwas später:

„Wir unterstellen der Taube und der ganzen Welt eine böse Absicht. Dabei ist weder die Taube noch die Welt grundsätzlich gut – oder bösartig. Der Darminhalt der Taube und die Wahrscheinlichkeit, dass dieser uns trifft, folgen einfach dem natürlichen Lauf der Dinge. Tauben haben ein Spatzenhirn und zielen nicht beim Entleeren.“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 140)

Das mit dem Zufall könnte eine traurige Erkenntnis sein, wenn man dem glücklichen Zufall nicht auf die Sprünge helfen könnte. Deshalb gibt der Autor kurz darauf Glückstipps für den Umgang mit dem Zufall, aber die verrate ich hier nicht.

Kapitel 3: Glück kommt mit dem Genuss

Genuss? Dafür haben wir doch gar keine Zeit. Schließlich müssen wir uns auf das konzentrieren, was wir zukünftig erreichen wollen, und dieses zukünftige Etwas macht uns dann hoffentlich glücklich. Echt? Natürlich nicht. Hier mein Appetithappen aus dem dritten Kapitel:

„Jeder Tag besteht aus genug Plankton, um satt und glücklich zu werden. Vielen kleinen Momenten, die wir nicht besonders beachtenswert finden, weil wir auf das große Glück warten, das wir verpassen könnten, wenn wir uns mit dem kleinen bereits zufriedengeben.“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 229)

Übrigens lässt sich der Genuss mit Achtsamkeitsmeditation trainieren, wie ich es im MBSR-Training feststellen durfte*.

Kapitel 4: Glück kommt mit dem Tun

Im ersten Abschnitt dieses Kapitels, Alles im Fluss, direkt neben einem Bild urinierender Männer, die wir dankenswerterweise nur von hinten sehen, schreibt Eckart von Hirschhausen über den Flow. Gemeint ist das selbstvergessene Aufgehen in einer Tätigkeit, bei der man gar nicht merkt, wie glücklich man ist, weil man nicht darüber nachdenkt.

Worüber ich in dem Zusammenhang auch noch nicht nachgedacht hatte:

„Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen ehrgeizig und zielgerichtet. Dem Ehrgeizigen geht es darum, über andere zu siegen, dem Zielgerichteten reicht es, wenn er seinen eigenen inneren Schweinehund besiegt und sein Bestes gibt. Der Ehrgeizige will besser sein als andere. Der Zielgerichtete will sein Bestes für sich und andere […]“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 251)

Kapitel 5: Glück kommt vom Lassen

Was denn jetzt – vom Tun oder vom Lassen? Die Kunst ist, das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen, zum Beispiel das Selbstzerstörerische. Mir gefällt der Abschnitt Mach dich nicht fertig besonders gut. Herrlich prägnant erklärt uns der Autor, dass und warum wir uns oft für ungenügend halten, auch wenn wir es nicht laut sagen.

Weil ich es so gut finde, komme ich hier mit nur einem Zitat nicht aus …

„Wir neigen dazu, uns Dinge von innen an den Kopf zu werfen, die wir niemandem von außen durchgehen lassen würden.“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 308)

Und warum machen wir so etwas?

„Wir halten uns vor allem deshalb für schlechter als die anderen, weil wir von uns selbst mehr wissen als von den anderen!“
(E. von Hirschhausen, Glück kommt selten allein*, S. 308)

Von uns selbst bekommen wir alles Blödsinnige, Unanständige und Unsichere mit, was in uns vorgeht. Von den anderen nicht – und das ist gut so. Aber es ist auch gut, zu wissen, dass es in denen nicht besser aussieht.

Wenn wir akzeptieren, dass wir mit unseren Macken und Ängsten normal sind, können wir uns viele Selbstvorwürfe sparen und dankbar sein, dass wir von den anderen nicht auch noch den ganzen Müll mitbekommen.

Fazit

Selber lesen macht noch glücklicher!


Melden Sie sich jetzt zum Newsletter an und erhalten Sie 100 inspirierende Zitate zum Downloaden.

Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*