Wie wir durch Zeit für andere Zeit für uns gewinnen

Sich kümmern

Hilfsbereitschaft, das zeigt sich immer wieder, macht den Helfenden fröhlich. Was uns trotzdem davon abhalten kann, ist dieser schreckliche Zeitmangel. Irgendwann braucht man schließlich auch mal Zeit für sich. Vielleicht für seine ganz eigenen Lebenskunst-Projekte.

Deal: Mehr Kümmern, mehr Lebenszeit

Wie wäre es, wenn wir einfach ein paar Jahre dazu bekommen würden, damit wir genügend Zeit haben? Das scheint, zumindest statistisch, drin zu sein. Wer sich kümmert, lebt länger. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung beschreibt die Ergebnisse einer Studie, bei der für andere Engagierte durchschnittlich fünf Jahre länger lebten als nicht für andere Engagierte. Die Forscher vermuteten, dass moderates Engagement wohl das beste sei, denn wenn es wieder in Stress ausarte, könne es kaum lebensverlängernd wirken.

Fünf Jahre mehr für moderates, regelmäßiges Kümmern um andere? Dann bliebe ja doch genug Zeit für mich. Ich hätte mehr Spaß, weil Hilfsbereitschaft glücklich macht, mehr Zeit und würde einen Beitrag leisten. Nicht schlecht, oder? Es kann natürlich sein, dass gerade mein Leben sich irgendwo am statistischen Rand abspielt. Dann lebe ich dadurch vielleicht nur zwei Wochen länger oder auf der anderen Seite vielleicht sogar sechs Jahre. Falls ich nicht zwischendurch überfahren werde, aus dem Fenster falle oder Ähnliches. Es wäre also Quatsch, einen Automatismus abzuleiten. Den gibt es nicht. Trotzdem gibt es diese interessante Tendenz, dass man zu Freude und Nützlichkeit auch noch Zeit bekommt.

Ich fantasiere einmal ganz unwissenschaftlich, was daran gesund sein könnte: Während ich mich kümmere, kann ich weniger grübeln. Das ist für die psychische Gesundheit schon einmal ganz gut. Außerdem muss ich möglicherweise Körper und Köpfchen einsetzen und fördere meine Beweglichkeit. Schließlich ist dieses Nützlichkeitsgefühl so herrlich, dass sicher ein paar fröhliche Hormone durch den Körper geschickt werden und mich emotional fit halten.

Kümmern 2017+

Wie wäre es, wenn wir ab 2017 alle ein bisschen mehr von unseren Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen für andere einsetzten? Es dürfte die Kriterien für Lebenskunst erfüllen: Jeder kann seine individuellen Möglichkeiten, seine besondere Art einbringen. Es kann auf Undankbarkeit stoßen und nichts bringen, birgt also ein gewisses Risiko, und es hat hohes Potenzial, andere zu berühren.

Unter meinen Gesprächspartnern für das Buch „827 Jahre Lebenskunst“* waren auffällig viele Kümmerer. Mit 80+ stehen sie Enkeln beratend zur Seite, besuchen kranke Freunde und bringen traurige Bekannte zum Lachen.

Überlegen Sie mit: Wer braucht Sie? Zum Beispiel:

  • Ihre Koch-Künste
  • Ihre Zuhör-Künste
  • Ihre mitreißenden Erzählungen
  • Ihren klugen Rat
  • Ihre Hilfe beim Einkauf
  • Ihr handwerkliches Geschick
  • Ihren Gesang
  • Ihre Geduld
  • Ihre Zeit auf dem Spielplatz
  • Ihre Fachkenntnisse
  • Ihre herzliche Umarmung
  • Ihren Humor
  • Ihre Zuversicht

Vieles, was wir geben können, kostet „nur“ Zeit. Es könnte passieren, dass wir mehr davon zurückbekommen!


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

3 Gedanken zu „Wie wir durch Zeit für andere Zeit für uns gewinnen“

    1. Gute Frage, Klaus. Für die Studie haben sie offenbar „Großeltern“ befragt, aber ich weiß nicht, wie alt sie waren und wie lange sie sich schon vorher gekümmert haben. Tja, da bleibt wohl nur Kümmern und Hoffen ;-).

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