Was ist Lebenskunst (hier)?

Was ist Lebenskunst

Was Künstlerinnen tun

Kennen Sie Künstlerinnen? Was tun sie?

Sie drücken sich aus. Ihre individuellen Sichweisen, Ideen und Interpretationen. Darstellend oder bildend, tanzend, singend, malend, komponierend, bildhauerisch, schreibend, kabarettistisch – genau so, wie es zu ihnen passt.

Mit ihrer Kunst berühren sie ihre Zuhörer, Zuschauer, Leser oder Betrachter. Manche haben ein vergleichsweise großes Publikum, andere ein kleines. Alle treffen auf Menschen, die mit ihrer Kunst nichts anfangen können. So ist Kunst – originell, individuell und bewegend.

Wann wird Leben zur Lebenskunst?

Philosophen meinen mit Lebenskunst meist, dass Menschen ihr Leben bewusst gestalten und meistern. Das ist Teil davon und Voraussetzung dafür, was ich hier mit Lebenskunst meine.

Unter Lebenskunst verstehe ich darüber hinaus

  • die eigene Originalität mit seinem Leben auszudrücken und
  • das Leben anderer damit zu berühren.

Wenn in meiner Kindheit jemand aus der Nachbarschaft krank wurde, wechselte meine Mutter Verbände, sprach Mut zu  und gab bei Bedarf nach Absprache mit dem Arzt auch Spritzen. Warum? Weil sie es konnte.  Sie arbeitete zwar im Kindergarten, hatte aber einmal Krankenschwester gelernt. Vor Ort gab es keinen Arzt. Meine Mutter brachte und bringt sich mit ihrer individuellen Kombination aus Fähigkeiten ein, wo sie kann.

Wenn Sie Ihre Stärken ausbauen und in Ihrem Umfeld einbringen, schaffen Sie Lebenskunst. Wenn Sie Ihre Ideen und Gedanken laut aussprechen, Konventionen hinterfragen, den Mut haben, aufzufallen, Gefühle zeigen und tiefe Beziehungen knüpfen, drücken Sie sich aus und es kann etwas Neues entstehen.

Was ist keine Lebenskunst?

Das Gegenteil von Kunst ist Standard und Massenware. Im Industriezeitalter haben wir Anpassung und Konformität trainiert. Bloß nicht auffallen. Man brauchte Menschen, die Anweisungen befolgen, Prozesse einhalten, Erwartungen erfüllen. „Das macht man nicht“ galt als überzeugendes Argument. Lebenskünstler konnte nur sein, wer Aussteiger war.

Moment. Warum schreibe ich in der Vergangenheit? Diese Bloß-nicht-auffallen-Haltung prägt uns bis heute. Wo sie wegfällt, wo der Anpassungsdruck nachlässt, kippt sie leicht in reinen Individualismus: Ich mache, was ich will. Auch keine Kunst.

Kunst schafft Verbindung. Wer publikumsfrei im Keller musiziert, ist vielleicht Hobbymusiker, aber kein Künstler. Wer Gedichte und Erzählungen in seiner Schublade hortet, ohne etwas zu veröffentlichen, schafft keine Kunst.

Höher fliegen

In seinem Buch The Icarus Deception* warnt Seth Godin davor, zu niedrig zu fliegen. Ikarus war der junge Mann in der Mythologie, der zu dicht an die Sonne geflogen ist, zu hoch. Dabei ist das Wachs geschmolzen, mit dem seine Flügel befestigt waren und das war’s dann. Das sei aber nur die halbe Wahrheit, meint Seth Godin. Zu niedrig zu fliegen und an die Wellen zu stoßen, sei genauso gefährlich.

Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die es wagen, höher zu fliegen und unbekanntes Terrain zu erkunden, die Missstände aufdecken, Ideen produzieren und kreative Lösungen entwickeln. Fähige Leute und tolle Produkte gebe es im Überfluss. Es mangele an Vertrauen, Beziehung und Überraschung. Drei wesentliche Elemente in der Arbeit eines erfolgreichen Künstlers, so Godin.

Lebenskunst lohnt sich

Lebenskunst in diesem Sinne kann ziemlich anstrengend sein. Das Ergebnis ist unsicher. Es kann sein, dass es lange dauert, bis die eigenen Ideen und der eigene Einsatz fruchten. Es kann sein, dass es nicht gelingt. Bei der Lebenskunst geht es nicht um ein Ergebnis. Es geht darum, immer weiter zu machen und immer weiter zu lernen. Sich immer wieder auf unsicheres Gebiet zu begeben, Neues zu schaffen, die Komfortzone zu verlassen und Beziehung zu wagen.

Wozu? Um gelebt zu haben.

Ein erfülltes Leben lohnt sich, unabhängig davon, wie viel Bekanntheit oder Belohnung es mit sich bringt. In drei weiteren grundlegenden Artikeln sehen wir uns das genauer an:

  1. Lebenskunst ist unkonventionell.
  2. Lebenskunst braucht Mut.
  3. Lebenskunst berührt.

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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

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