Pulse of Europe – Aktiv werden statt zuzusehen

Nur noch zwei Tage bis zum Jubiläum! Am 25.3.2017 ist es 60 Jahre her, dass Belgien, die Niederlande, Luxemburg, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Italien die ‚Römischen Verträge‚ gezeichnet haben.

Hat mich das interessiert? Sehr lange sehr wenig. Für mich war das friedliche Zusammenleben mit den europäischen Nachbarn und die wachsenden Freiheiten nur theoretisch etwas Besonderes. Verneint hätte ich es nicht, wenn ich darüber nachgedacht hätte. Aber Begeisterung? Faszination?

Schritte aus der Ignoranz

Und dann wurden seltsame Stimmen laut, in Deutschland und drumherum. Stimmen, die behaupteten,

  • Solidarität hätten wir nicht nötig,
  • Abschottung sei ein sinnvolles politisches Konzept,
  • die Rückkehr zu Nationalismen sei eine ernst zu nehmende Alternative.

Wie bitte? Hatten die alle keine Omas und Opas mit Kriegserfahrung? Hatten die noch weniger im Geschichtsunterricht mitbekommen als ich? Man müsste was tun, dachte ich, und trat der Europa-Union Deutschland (EUD) bei – einer überparteilichen Bürgerinitiative, die noch älter ist als die Römischen Verträge.

Schnell begriff ich: Die Kritik an der EU ist – zum Teil – sehr berechtigt. Sie muss dringend umgestaltet werden. Die Stimmen, die rückwärtsgewandte Konzepte anpreisen, sammeln die Stimmen derjenigen ein, die frustriert sind und das Vertrauen in Europa verloren haben.

Ich begriff: Der Frieden in Europa, mit dem ich aufgewachsen bin, ist keineswegs selbstverständlich, sondern intensiv erarbeitet, errungen. Und er bedarf weiterer intensiver Arbeit, wenn wir ihn erhalten wollen.

Pulse of Europe – Eine Initiative aus Frankfurt

Es musste doch noch viel mehr Menschen wie mich geben, dachte und sagte ich. Menschen, die lange Zeit angenommen haben, um Europa würden sich schon andere kümmern – andere, die mehr Ahnung und mehr Zeit haben. Menschen, die jetzt etwas tun wollen, wenigstens ihre Stimme erheben wollen, um deutlich zu machen: Wir wollen die Europäische Union! An manchen Stellen anders als bisher und vielleicht haben wir im Detail unterschiedliche Vorstellungen, aber unsere Stimmen bekommen die, die um europafreundliche Lösungen ringen.

Natürlich gibt es diese Menschen und immer mehr schließen sich ihnen an. Nach dem Brexit und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahl in den USA hat ein Paar in Frankfurt im November 2016 PulseOfEurope gegründet – im Gegensatz zur EUD eine ganz junge Initiative, aber ebenso überparteilich und voller frischer Dynamik.

Stand heute sind auf der PulseOfEurope-Homepage 65 Städte gelistet, in denen sonntags um 14 Uhr (in Frankreich um 15 Uhr) Menschen für Europa auf die Straße gehen. Sie gehören unterschiedlichen oder gar keinen Parteien und Konfessionen an und haben doch gemeinsame Überzeugungen, die die Frankfurter Initiatoren in 10 Grundaussagen formuliert (und hier ausgeführt) haben:

  1. Europa darf nicht scheitern
  2. Der Frieden steht auf dem Spiel
  3. Wir sind verantwortlich
  4. Aufstehen und wählen gehen
  5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar
  6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar
  7. Reformen sind notwenig
  8. Misstrauen ernst nehmen
  9. Vielfalt und Gemeinsames
    (… sind kein Widerspruch)
  10. Alle können mitmachen – und sollen es auch

Alle wollen mitmachen – Vorbereitungsdynamik in Oldenburg

Schafft auch das verhältnismäßig kleine Oldenburg, eine PulseOfEurope-Veranstaltung auf die Beine zu stellen? Von mehreren Seiten war Peter Meiwald, Vorsitzender der Europäischen Föderalisten Oldenburg e.V., darauf angesprochen worden. Zum (vermeintlich) ersten Vorbereitungstreffen kamen 10 Personen, die nur zum Teil Mitglied im Verein sind, und im Hintergrund standen noch einige parat, die nur den Termin nicht einrichten konnten. ‚Tolles Engagement!‘, dachten wir da schon. Innerhalb kürzester Zeit wollten wir die erste Veranstaltung am 26.3.17 vorbereiten. Dazu gehörte natürlich auch die Anmeldung bei der Stadt. Und welche Information kam von dort zurück? Eine solche Veranstaltung war bereits für den 26.3.17 angemeldet worden. Das Engagement ist noch größer und vielseitiger als wir nach unserem Treffen gedacht hatten. Schnell fanden sich die beiden Gruppen zusammen und wir konnten unkompliziert auf den schon fahrenden Zug aufspringen.

Es ist die Aktion engagierter BürgerInnen in und um Oldenburg, und alle, die die oben gelisteten PulseOfEurope-Statements unterstützen möchten, sind dazu herzlich eingeladen – in Oldenburg und den anderen 64 Städten.  Das heißt: Auch wenn Vereinigungen und Verbände (hoffentlich) ihre Verteiler zur Einladung nutzen, kommen alle als Privatpersonen, als europäische Bürger, die gemeinsam für Europa eintreten möchten. Download Flyer

Was hat das alles mit Lebenskunst zu tun? Ganz klar: Da haben ein paar Frankfurter Personen den Mut gehabt, ihre Überzeugungen auf ihre eigene Art öffentlich zu machen, damit viele Menschen berührt und eine ganze Bewegung losgetreten.


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

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