Was Ihre Potenzialentfaltung fördert

Potenzialentfaltung Zitat Huether

Sie haben Potenzial! Viel davon.

Potenzialentfaltung bedeutet, dass Sie die in Ihnen angelegten Möglichkeiten verwirklichen. Die Möglichkeiten sind schon da. Sie müssen sie nicht erst entwickeln.

Prof. Dr. Gerald Hüter ermutigt uns in seinem Buch Etwas mehr Hirn bitte*, die Freude am eigenen Denken und die Lust am gemeinsamen Gestalten neu zu entdecken. Wie kommt ein Neurobiologe denn auf so etwas? Nun ja, er weiß viel über unser Gehirn.

Ich habe das Buch gelesen, mir einen Vortrag von ihm auf YouTube angesehen und Gerald Hüther beim Symposium zur Positiven Psychologie in Hamburg gehört. Nun möchte ich Sie einladen, sich ebenfalls mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen, die er da verbreitet.

Ein Gehirn voller Möglichkeiten

Einleitend schreibt der Autor von den Voraussetzungen, die unser Gehirn mitbringt.

Die vielleicht wichtigste Voraussetzung zur Potenzialentfaltung aus neurobiologischer Sicht: Unser Gehirn ist veränderbar. Die zahlreichen Nervenzellen darin schließen sich zu funktionalen Netzwerken zusammen.  Und: Dieser Prozess ist nie abgeschlossen. Es kann zu immer neuen und anderen Verknüpfungen kommen. Das nennt sich „Neuroplastizität„.

Wonach entscheiden die Nervenzellen, wie sie sich verknüpfen? Ist das genetisch programmiert? Nein. Sie richten sich nach unseren Erfahrungen. Eine Anregung für die nächste Party: Fragen Sie Ihre Freunde doch einmal, wie sie die ‚Erfahrungsabhängige Neuroplastizität‚ finden. Was so kompliziert klingt, bedeutet: Welche Netzwerke im Gehirn entstehen, wie sich die Nervenzellen verknüpfen, hängt davon ab, „wie und wofür jemand sein Gehirn benutzt“ (Pos. 99 in der Kindle-Fassung von Etwas mehr Hirn bitte*). Deshalb macht Übung den Meister.

Erfahrungen können wir herbeiführen. Das ist die große Hoffnung, die Hüther in dem Buch einleitend formuliert:

„Überall dort, wo sich Menschen ohne Angst und ohne Zwang und auch ohne ideologische Verblendungen zusammenfinden, können sie versuchen, ihr Zusammenleben anders zu gestalten als bisher. Sie können kleine Inseln in Form von Gemeinschaften schaffen, wo niemand mehr seine angeborene Lust am eigenen Denken verlieren muss.“ (Etwas mehr Hirn bitte*, Pos. 173)

Eine ziemliche Herausforderung. Aber lohnend.

Hinderliche Vorstellungen für die Potenzialentfaltung

Im ersten Teil schreibt Hüther über den Erkenntnisprozess. Eigene Erkenntnisse können wir nur gewinnen, wenn wir selber denken und erleben. Was sollte uns davon abhalten? Unsere festgefahrenen Vorstellungen könnten die Übeltäter sein.

Intensive oder häufige Wahrnehmungen und Erfahrungen verdichten sich zu festen Vorstellungen über uns, die Welt, unsere Mitmenschen. Schleichend entwickeln wir Überzeugungen, die unser ganzes Denken bestimmen. Leidvolle Beziehungserfahrungen können zu Überzeugungen führen, die unsere Potenzialentfaltung verhindern. Hüther nennt einige Beispiele dafür (Pos. 290):

  • Ich bin zu dumm.
  • Ich störe.
  • Auf meine Ideen kommt es nicht an.
  • Ich halte mich lieber an das, was alle anderen auch denken.

Alle Überzeugungen, die ein statisches Mindset ausmachen, gehören dazu. Vielleicht ist das, was Carol Dweck über das Selbstbild* schreibt, eine gute Ergänzung zu dem hier vorgestellten Buch. Denn sie erklärt, wie sich Kritik und Erziehung so gestalten lassen, dass wir ein dynamisches Selbstbild fördern.

Auf die Beziehungserfahrungen kommt es an. Sie sind für jeden unterschiedlich. So ist jeder einzigartig geformt durch seine Erfahrungen mit anderen. Gemeinschaft und Einzigartigkeit gehören zusammen. Das heißt:

Sich abzuschotten, um sich vor unangenehmen Erfahrungen zu schützen, hilft unserer Potenzialentfaltung nicht weiter. Klick um zu Tweeten

Potenzialentfaltung durch Zugehörigkeit und Autonomie

Wir wollen uns als Subjekt erleben, das selbst denkt und selbstbestimmt handelt. Zugleich wollen wir uns einer Gemeinschaft zugehörig fühlen. Oft ist das ein Spannungsfeld, denn in vielen Gemeinschaften gilt: Wer anders denkt oder nicht wie geplant funktioniert, wird ausgeschlossen.

Im zweiten Teil von Etwas mehr Hirn bitte* schreibt Hüther über die Strukturierung des menschlichen Gehirns durch soziale Erfahrungen. Die Probleme beginnen demnach da, wo wir einander zu Objekten machen. Objekte unserer Erwartungen.

Ich hatte in Gesprächen mit anderen den Eindruck, dass hier die Verwirrungen beginnen. Darf ich etwa von anderen nichts mehr erwarten? Darf ich Kinder nicht erziehen? Wir wissen doch, dass Kinder Grenzen suchen und brauchen. Ja, sicher. Doch ich denke, wir können Erwartungen aneinander richten und Grenzen setzen und uns zugleich als Subjekte behandeln. Objekte sind Dinge, die ich benutze. Subjekte sind eigenständige Wesen, denen ich begegne und in ihrer Eigenständigkeit respektiere. Den Unterschied in der inneren Haltung bemerken Kinder, Partner und Kollegen.

Trotzdem: Die praktische Umsetzung finde ich sehr herausfordernd. Unsere Gewohnheiten sowie die Strukturen und Systeme in unseren Familien, Schulen, Unternehmen und Organisationen verführen uns häufig dazu, andere als Objekte zu behandeln oder uns selbst so zu fühlen.

Im dritten Teil schreibt Hüther über Potenzialentfaltung in menschlichen Gemeinschaften. Wir bräuchten Gemeinschaften, in denen wir eigenständig denken dürfen und uns trotzdem sicher und zugehörig fühlen. Klick um zu Tweeten Darin können neue Erkenntnisse entstehen und Potenziale sich durch neue Verknüpfungen entfalten. Führungskräfte in solchen Teams verstehen sich nicht als ‚Macher‘, die sagen, wo es lang geht, sondern als ‚Ermöglicher‘, die dafür sorgen, dass sich alle mit ihren Ideen und Möglichkeiten einbringen.

Gerald Hüther ‚wirbt‘  in Etwas mehr Hirn bitte* für „Gemeinschaften, deren Mitglieder einander als autonom denkende Subjekte begegnen. Die ihre Erkenntnisse, zu denen sie als Einzelne gelangt sind, miteinander teilen und sich anschließend auf den Weg machen, um das was ihnen allen am Herzen liegt und worauf sie sich geeinigt haben, gemeinsam umzusetzen. Mutig und entschlossen, ohne Angst vor Ausgrenzung und Abwertung durch andere und ohne selbst andere Menschen zu Objekten ihrer Absichten, Bewertungen und Erwartungen oder gar ihrer Maßnahmen zu machen.“ (Pos. 2481)

Gemeinsam haben wir deutlich mehr Hirn als alleine. Denken Sie mit?


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

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