Optimismus lernen von Nick Vujicic

Optimismus lernen mit Nick Vujicic

Wer ist denn Nick Vujicic? Knapp gesagt: Nick ist ein humorvoller, attraktiver junger Mann ohne Arme und Beine. Ein Widerspruch? Auf keinen Fall! An seinem Vorbild können wir wunderbar Optimismus lernen.

Wie Nick Vujicic ohne Arme und Beine Menschen berührt

Als ich ein Youtube-Video von Nick Vujicic gesehen habe, in dem er eine Rede vor Schülern hält, war ich peinlich berührt – und zwar davon, wie sehr es mich berührt hat. Dabei war es doch so „typisch amerikanisch“! Es nützt nichts, ich finde diesen Menschen und seine Geschichte inspirierend. Weil er Dinge tut, die gar nicht gehen können.

Ein Mensch, der statt Armen, Händen, Beinen und Füßen nur einen einzigen linken Stummelfuß am Rumpf hat, kann wohl kaum selbstständig aufstehen, trommeln, tauchen und surfen – und nicht vor Lebensfreude strotzen! Kann er doch, sagt und zeigt mir Nick. Natürlich wollte ich mehr darüber wissen, was ihn zu einem in meinen Augen solch paradoxen Menschen gemacht hat, und da ich mehr eine Leserin als eine Hörerin bin, habe ich mir sein Buch Mein Leben ohne Limits* gekauft.

Darin stellt er klar, wie schwer es ihm oft gefallen ist, sich, seinen Körper und seine Situation zu akzeptieren. Gerade das macht seine Geschichte glaubhaft. Seine Mission, die er mit seinen Büchern und Vorträgen verfolgt, beschreibt er im Vorwort von Mein Leben ohne Limits* so: „Ich will die Leute, die meine Geschichte hören und lesen, ermutigen, ihre eigenen Herausforderungen zu meistern“ (S. 11). Das gelingt ihm gerade durch den offensichtlichen Mangel an Gliedmaßen besonders gut. Die Leute hören ihm intensiv zu, wie ich es im erwähnten Video gesehen habe, weil er der lebende Beweis für das ist, was er sagt. Statt mit den Händen berührt er Menschen mit seiner Lebensfreude und seiner Geschichte.

Als Beispiel für die Themen, die Nick Vujicic in Mein Leben ohne Limits* angeht, greife ich das fünfte Kapitel heraus: „Alles eine Frage der Einstellung“.

Optimismus lernen durch hilfreiche Einstellungen

Vehement vertritt Nick am Anfang des fünften Kapitels, dass es sich nicht um einen platten Motivationsposter-Spruch handelt, wenn er sagt: „Verändere deine Grundeinstellung und du veränderst dein Leben“ (S. 113)*. Mir ist sympathisch, dass er das nicht nur an seiner eigenen Geschichte zeigt, sondern die Beispiele anderer Menschen bringt, deren Geschichten wiederum ihn ermutigt haben. Er hat selbst viel durch Vorbilder gelernt und will anderen ein ermutigendes Vorbild sein.

Nur: Wie ändert man seine Grundeinstellung? Offenbar unter anderem durch den Umgang mit Menschen, die eine hilfreichere Grundeinstellung haben. Doch konkret empfiehlt er hier das „Reframing“, das Umdeuten. Zum Beispiel könne man sich auf die Dinge konzentrieren, die einem nicht passiert sind, statt auf das, was einem passiert ist. Wir alle können bewusst konstruktive innere Dialoge führen.

Ich habe dafür viele Beispiele bei meinen Interviews für 827 Jahre Lebenserfahrung  gehört. Besonders auffällig war es bei Hanne R., die immer wieder betonte, wie viel Glück sie im Leben gehabt habe, dann die Geschichte eines Unglücks erzählte und sich zutiefst dankbar dafür zeigte, wie glimpflich es letztlich ausgegangen sei. Auch Christel B. fällt mir dabei ein, die mir lachend erzählte, wie gemütlich die Schweine grunzten, bei denen sie auf der Flucht übernachten mussten.

Ärger, Trauer und Zorn gehörten nach einem Tiefschlag dazu, räumt Nick Vujicic ein, aber nach dieser Phase gelte es, sich aufzurappeln und die Perspektive zu wechseln. Vier hilfreiche Einstellungen legt er dem Leser und der Leserin besonders ans Herz:

  • Dankbarkeit
  • Aktivität
  • Mitgefühl
  • Vergebung

Als Beispiel dafür, wie eine dankbare Einstellung einen aus dem Loch ziehen kann, erzählt Nick von Joni Eareckson Tada, deren Geschichte ihn früh ermutigt hat. Sie hatte als Jugendliche bei einem Kopfsprung in einem See eine Querschnittslähmung erlitten. Aus der Opferrolle herauszukommen und dankbar für das zu werden, was sie kann, habe ihr entscheidend geholfen.

Der zweite Weg sei es, eine aktive Einstellung zu entwickeln. Hier erzählt der Autor von einer Mutter, deren Tochter von einem Betrunkenen überfahren wurde. Sie gründetet die Initiative „Mothers Against Drunk Driving“ (MADD) und hat durch deren Aktivität möglicherweise andere Müttern ein ähnliches Schicksal erspart.

Ähnlich wie bei der dankbaren Einstellung geht es bei der mitfühlenden Einstellung darum, die Blickrichtung zu ändern, in diesem Fall von sich selbst weg zu anderen: „Wenn du einen harten Schlag verkraften musst, schau nicht nach innen, sondern schau dich um“, empfiehlt Nick Vujicic. Trauer und Schmerz seien berechtigt, aber würden schneller heilen, wenn man andere bei ihrer Heilung unterstütze.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass Nick Vujicic wütend über sein Schicksal war, zornig auf Gott und die Welt und auf die Mitschüler, die über ihn herzogen. Dummerweise belastet dieser Zorn einen selbst am meisten: „Wenn du an deinen Verletzungen festhältst, gibst du denen Macht und Kontrolle über dich, die dich überhaupt erst verletzt haben. Vergibst du ihnen, durchschlägst du die Ketten. Sie können dir nichts mehr anhaben“ (S. 131)*.  Vergebung habe eine besonders weitreichende Kraft, aber sei vielleicht auch die am schwersten zu lernende Haltung, räumt Nick ein.

Sich wachrütteln lassen

Nick Vujicic gelingt es besonders gut, mich vom statischen Denken („Ich kann das nicht“) ins dynamische Denken („Ich kann das noch nicht“) hinüber zu schubsen: Wenn der es sogar geschafft hat, ohne Gliedmaßen zu surfen, verlieren Etiketten wie „zu alt“, „zu unsportlich“, „zu unbegabt“ ihre Überzeugungskraft. Die meisten Behinderungen sind wohl doch in meinem Kopf, und wenn ich etwas ernsthaft will, muss ich hartnäckig weiter probieren und fragen: Wenn es so nicht geht, wie könnte es dann gehen?

Überlegen Sie selbst: Von welchen vermeintlichen Behinderungen lassen Sie sich von Ihren Träumen abhalten?


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

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