Lebenskunst braucht Mut

lebenskunst braucht mut

Risiken und Nebenwirkungen der Lebenskunst

Mut brauchen wir, wenn wir Risiken eingehen. Mut bedeutet, trotz der Angst zu handeln. Wenn Lebenskunst unkonventionell ist, birgt sie einige Risiken, die Angst machen können. Zum Beispiel Angst vor

  • Ablehnung,
  • Kritik, Unterstellungen und Sanktionen,
  • Lächerlichkeit,
  • Scheitern,
  • Spott,
  • Neid,
  • Übervorteilung oder
  • Mangel und Armut.

Wir neigen dazu, alles Andersartige erst einmal abzulehnen. Wer öffentlich zu seinen Ideen, Gedanken, Gefühlen und Fähigkeiten steht, riskiert diese Ablehnung. Dabei wollen wir doch so gerne dazugehören. Gute soziale Beziehungen gehören zu unseren psychologischen Grundbedürfnissen. Ablehnung tut weh. Die Ablehnung kann mit direkter Kritik verbunden sein: Wenn du dich nicht an unsere Regeln hältst, bist du illoyal. Möglicherweise unterstellen uns andere unlautere Motive: Wir wollen nur auffallen oder Macht haben. Die Gruppe kann einen ausschließen. Je nach Kultur und Gesetzeslage kann es bis zu Verfolung oder Gefängnisstrafen gehen, weil wir mit unserer Meinungsäußerung die Mächtigen infrage gestellt haben. Malala hat nur ein Recht auf Bildung gefordert.

Dass andere uns belächeln oder auslachen, ist auch nicht gerade erstrebenswert. Gerade diejenigen, die uns lange kennen, können sich oft nicht vorstellen, dass wir etwas Außergewöhnliches tun. „Du willst ein Buch schreiben? Soso.“ Dabei ein mitleidiges Lächeln. „Du willst etwas in der Gesellschaft verändern? Sei nicht naiv!“ Und sie können Recht behalten, wir können scheitern. Lebenskunst würde in dem Fall bedeuten, wieder aufzustehen und ein weiteres Scheitern zu riskieren. Aber ist das nicht doch zu peinlich? Und ist es dann nicht Zeitverschwendung?

Sogar wenn Viele uns zujubeln, gibt es Kritiker, Spötter und Neider. Einige gönnen uns den Erfolg nicht, andere halten unsere Ideen für albern, andere sogar für gefährlich. Je klarer und öffentlicher wir unsere Meinung vertreten, desto schärfer wird auch die Kritik. Nach einem Vortrag von Heribert Prantl habe ich mir sein kleines Buch Im Namen der Menschlichkeit: Rettet die Flüchtlinge!* gekauft. Sehen Sie sich einmal die Rezensionen dazu an. Bequem ist das nicht.

Wenn Lebenskünstler Beziehungen aufbauen, Vertrauen schenken, sich einbringen, können andere das ausnutzen. Ich gehe davon aus, dass mehr Menschen sich davon anstecken und mitreißen lassen. Aber es wird auch solche geben, die Vertrauen missbrauchen und sich auf der Großzügigkeit anderer ausruhen. Ich möchte mich in meinem Verhalten nicht nach denen richten, aber als dumm und naiv dastehen möchte ich eigentlich auch nicht.

Schließlich kann die Vorstellung Angst machen, zu kurz zu kommen. Wenn Sie geben und sich einbringen, werden Sie dann auch genug zurückbekommen? Werden Sie Ihren Standard halten können? Werden Sie genug haben? Wer von einem Mangel-Denken geprägt ist, tut sich mit dem Geben schwer.

Der Preis der Mutlosigkeit

Bei all diesen Risiken und Ängsten scheint es verständlich, in den gewohnten Grenzen zu bleiben.

Zwei Gründe sprechen dagegen:

  1. In den gewohnten Grenzen ist es nur scheinbar sicher.
  2. In den gewohnten Grenzen verpassen Sie viel.

Ich komme hier auf Seth Godins Buch The Icarus Deception: How High Will You Fly?* zurück. Der Autor behauptet: In der Komfortzone ist es nicht mehr sicher. Die Sicherheitszone hat sich von der Komfortzone weg bewegt. Wer früher die richtige Qualifikation hatte, sich an die Regeln gehalten hat und einen guten Job ergattert hat, hatte es geschafft. Inzwischen ist die Welt so dynamisch, dass einem das nur noch Sicherheit vorgaukelt. Es ist sicherer, die Unsicherheit immer wieder aktiv zu suchen, statt sich in scheinbarer Sicherheit zu wiegen. Ich weiß nicht, ob das so grundsätzlich stimmt, aber sich der Dynamik zu verschließen ist sicher unsicher.

Mir ist das zweite Argument wichtiger. Wer sich nicht traut, Grenzen zu überwinden,

  • erfährt nicht, welche Möglichkeiten in ihr stecken,
  • bewegt weniger im Leben, als sie könnte,
  • könnte in Reue und Verbitterung enden,
  • könnte in Langerweile und Unauffälligkeit verkümmern
  • könnte auf ein erfülltes Leben verzichten.

Wir hatten in meiner Kindheit einen einigermaßen schlecht erzogenen Hund. Ob er gehorchte, hatte viel mit seiner Tagesverfassung zu tun. Wenn ich in den Weiten der Felder und Wälder mit ihm spazieren ging, musste ich entscheiden, ob ich ihn von der Leine lasse. Ich hatte immer etwas Angst, dass er abhaut und von einem Jäger abgeschossen wird oder unter eines der wenigen Autos gerät. Meistens habe ich es trotzdem getan. „Besser er lebt kurz, fröhlich und interessant als lange an der kurzen Leine“, habe ich mir gesagt. An einer viel befahrenen Hauptstraße hätte ich das nicht getan. Das Risko war überschaubar.

Wieso sollten Sie sich nicht gönnen, was ich sogar meinem Hund gegönnt habe?

Wie Sie Mut zur Lebenskunst sammeln können

Woher sollen wir den Mut nehmen, den wir brauchen?

Als erstes setzt es voraus, dass wir uns überhaupt Gedanken darüber machen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Das tun sie schon, sonst wären Sie nicht hier gelandet.

Der zweite Schritt ist, die Angst so weit zu reduzieren, dass sie uns nicht mehr lähmt. Ganz abstellen lässt sie sich meist nicht. Dann wäre kein Mut mehr nötig. Stellen Sie einmal gegenüber:

  • Welche Möglichkeiten stecken in der Veränderung?
  • Was würde wirklich passieren, wenn es schief geht?

Zwischenmenschlich wäre oft das Schlimmste, dass andere einen enttäuschen oder über einen lachen. Vielleicht verachten einen auch ein paar Leute. Nun gut, wollen Sie mit denen befreundet sein? Würden Sie selbst Ihre Freunde verachten, wenn ihnen ein mutiger Schritt misslingt?

Materiell ist in Deutschland meist das Schlimmste, dass man neu anfangen muss,  auf das alte Niveau zurückkehren muss oder auf niedrigerem Standard weiterleben muss. Erinnern Sie sich an Zeiten, in denen das der Fall war. Wie viel unglücklicher waren Sie damals?

Sehr ermutigend können auch Vorbilder sein. Suchen Sie nach Menschen, die so leben, sich so einsetzen, wie Sie es gerne tun würden. Am besten funktioniert das, wenn sie Ihnen einigermaßen ähnlich sind.

Gehen Sie überschaubare Schritte und lernen Sie parallel. Wer schreiben, malen oder musizieren will, braucht dafür viel ‚Handwerk‘. Sie können aber nicht warten, bis Sie perfekt sind, bevor Sie an die Öffentlichkeit gehen. Denn die Erfahrung und den Misserfolg brauchen Sie auch. Lernen und Tun müssen ineinandergreifen und eine gemeinsame Aufwärtsspirale bilden. Mein erstes Coaching habe ich für einen minimalen Tagessatz mit einer wohlwollenden Bekannten gemacht, nicht mit der Geschäftsführung eines anspruchsvollen Kunden.

Machen Sie sich Ihre Überzeugungen klar und handeln Sie danach. Machen Sie sich Ihre Stärken klar und genießen Sie ihren Einsatz. So werden Sie unabhängiger vom Ergebnis. Ist es ein Misserfolg, dann lernen Sie halt daraus. Vielleicht müssen Sie an Ihrer Stärke weiter feilen oder sie sind an die falschen Leute geraten oder zum falschen Zeitpunkt an die richtigen Leute. „Versuch macht klug“ ist mehr als ein Spruch.

Interpretieren Sie Ihre Angst und Ihren inneren Widerstand um. Der Gedanke „Ich glaube, ich lass es doch lieber“ kann ein Hinweis darauf sein, dass Sie vor einem lohnenden Schritt aus Ihrer Komfortzone stehen.

Und wenn Sie Christ sind: Lesen Sie in der Bibel nach, wie Gott immer wieder mit Menschen die Welt bewegt hat, die sich das selbst nicht zugetraut haben.

Auf den Punkt

Ganz kurz gesagt:

  • Wer seine Grenzen überschreitet, geht Risiken ein.
  • Mut ist, wenn man es trotzdem tut.
  • Legen Sie los, genießen Sie den Prozess und erlauben Sie sich Misserfolge.

Und folgen Sie den Beiträgen dieser Seite. Sie wollen ermutigen und inspirieren.

 

Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

5 Gedanken zu „Lebenskunst braucht Mut“

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