Gewohnheiten für ein erfülltes Leben

Erfülltes Leben

„Der, dem Lebenskunst zugeschrieben werden kann, zeichnet sich dadurch aus, dass er ein erfülltes Leben führt“, behauptet Wilhelm Schmid in seinem Buch Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst* (S.33). Das würden die meisten von uns wohl gerne umsetzen, wenn sie wüssten wie.

Eine erste Antwort liefert uns der Autor freundlicherweise kurz danach: „Eine Technik der nachhaltigen Einübung und bewussten Ausübung von Lebenskunst ist die Gewohnheit“, schreibt er* auf  Seite 34.

Wie Gewohnheiten Sie charakterisieren

Gewohnheiten prägen unser Verhalten. Es wäre viel zu energieraubend, über jeden Handgriff und jeden Gedankengang erst einmal nachdenken und entscheiden zu müssen. Welchen Schuh wir zuerst anziehen, wie wir den Nachbarn grüßen, wie wir an Schwierigkeiten herangehen – alles Gewohnheit. Eindrücklich erklärt das Charles Duhigg in Die Macht der Gewohnheit: Wir folgen unseren Gewohnheitsschleifen aus

  • Auslösereiz (Es ist 20 Uhr)
  • Routine (Fernseher an, Chipstüte auf)
  • Belohnung (Gefühl von Gemütlichkeit und Entspannung)

Nach Lebenskunst klingt das nun gerade nicht, oder?

Das „finale Argument“ für Lebenskunst sei der Tod, erklärt Wilhelm Schmid* dem Leser: Weil wir uns darüber im Klaren sind, dass dieses Leben begrenzt ist, sind wir motiviert, es wirklich zu leben, statt es nur so dahingehen zu lassen. Wie kann er da gerade Gewohnheiten als gute Technik empfehlen?

Die Auflösung: Schmid meint nicht irgendwelche Gewohnheiten, sondern autonome Gewohnheiten. Das sind die, die ich bewusst auswähle und einübe. Die autonomen Gewohnheiten charakterisieren Sie, weil Sie sie nicht automatisch von anderen übernommen haben, sondern ausgewählt haben. Es geht darum, dass Sie Gewohnheiten auswählen und einüben, die   ein erfülltes Leben fördern.

Drei Eimer für ein erfülltes Leben

Es gibt verschiedenste Kategorisierungen dafür, welche Bestandteile zu einem erfüllten Leben gehören, zum Beispiel aus der Philosophie, von den großen Religionen und seit bald zwei Jahrzehnten auch von der Positiven Psychologie.

Ich greife heute das Modell von Jonathan Fields auf, weil mir sein Bild von den drei Eimern so gut gefällt. Er beschreibt es in seinem Buch How to Live a Good Life und bezieht sich auf Erkenntnisse der Positiven Psychologie. Mich haben die Betreiber von fizzle.co in ihrem Podcast darauf aufmerksam gemacht, aber ich werde es noch selbst lesen, ehrlich – und es hier vorstellen, wenn es so praktikabel ist, wie es der Autor verspricht. Seine drei Eimer tragen die Etiketten:

  • Contribution: seinen Beitrag leisten
  • Connection: verbunden sein
  • Vitality: Vitalität / Lebenskraft

Diese drei Eimer sollten wir gut füllen, wenn wir ein erfülltes Leben wollen, behauptet Fields. Allerdings haben sie alle drei ein Leck. Wenn wir uns um einen zu wenig kümmern, herrscht darin bald Ebbe. Im Interview auf fizzle.co schlägt er vor, morgens zu prüfen, wie voll die jeweiligen Eimer auf einer Skala von 1 bis 10 sind und entsprechend aktiv zu werden. Sein Buch* soll überwiegend Anregungen dazu geben, welche Aktivitäten das sein können. Die Übungen kann ich noch nicht beurteilen, das kommt noch.

Schmeißen Sie doch einmal die Erkenntnisse über die Bedeutung der Gewohnheiten und über die drei Eimer zusammen: Wenn Sie für jeden Eimer gute Gewohnheiten haben, schrumpft die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwo plötzlich Ebbe ist. Soweit Sie es beeinflussen können. Es kann Sie trotzdem eine Grippe erwischen, bei der Sie sich nicht sehr vital fühlen, besser zu wenigen Leuten Kontakt haben und auf ihren Beitrag auch erst einmal verzichten. Nur: Wenn Sie sich um Ihre Gesundheit kümmern, sinkt eben die Wahrscheinlichkeit dafür, weil das Immunsystem mehr Kraft hat als vorher.

Eimer-Gewohnheiten

Ich fordere Sie heraus, Gewohnheiten zu finden, die die drei Eimer füllen.

Wo leisten Sie einen Beitrag (Contribution)? Das kann zum Beispiel im Beruf sein, im Ehrenamt oder in der Familie. Was könnten Sie sich angewöhnen, um „automatisch“ Ihre Stärken oder Ihr Vermögen in einem dieser Felder einzubringen?

Mit wem möchten Sie verbunden sein (Connection)? Wer sind wichtige Menschen in ihrem Leben? Oder zu welchen Menschen hätten Sie gerne mehr Kontakt? Hier kann es sich ebenfalls um Freunde, Familienmitglieder oder auch um Gleichgesinnte aus der Kirchengemeinde, einem Verein oder einer Bürgerinitiative  handeln. Darüber hinaus ist auch die spirituelle Beziehung zu Gott hier einzuordnen, wenn das für Sie von Bedeutung ist. Was können Sie sich angewöhnen, um mit diesen Menschen / Gott regelmäßig Kontakt zu pflegen, damit Sie sich nicht immer wieder dazu aufraffen müssen?

Für mein Buch „827 Jahre Lebenserfahrung“ habe ich zehn lebensbejahende Menschen gesprochen, die mindestens 80 Jahre alt war. Das mit der Verbundenheit hatten sie alle drauf und oft mit klaren Gewohnheiten verbunden: Manche fahren einmal im Jahr für ein verlängertes Wochenende mit drei Freundinnen weg, seit Jahren oder Jahrzehnten. Manche telefonieren einmal wöchentlich zur gleichen Uhrzeit mit einem guten Freund.

Bleibt der Vitality-Eimer. Was können Sie sich angewöhnen, um vital zu bleiben? Dreimal in der Woche zu joggen, ist zwar super für das Immunsystem, aber Sie dürfen auch damit anfangen, die Treppe immer dem Aufzug vorzuziehen. Körper und Psyche sind so unauflösbar miteinander verknüpft, dass jede Aktivität auch dem jeweils anderen nützt oder schadet. Welche Nährstoffe wollen Sie Ihrem Körper täglich zuführen? Welche Eindrücke auf Ihre Psyche einströmen lassen?

Jede dieser drei Kategorien birgt viele mögliche Unterkategorien. Die Möglichkeiten sind also vielfältig und die Versuchung wahrscheinlich groß, sich gleich wieder auf den Lieblings-Eimer zu stürzen. Deshalb: Wählen Sie eine kleine Gewohnheit pro Eimer. Viel Spaß!


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

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