Dynamisches Mindset – Jeder kann besser werden

Dynamsiches Mindset

Wer ständig erzählt bekommt, er sei schlau und begabt, verliert schnell den Mut!

Wie kann das sein? Carol Dweck liefert darauf in ihrem Buch Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt* nachvollziehbare Antworten. Bevor ich darauf näher eingehe, ein kurzes Beispiel:

Meister zweier Disziplinen

Josh Waitzkin ist ein Meister zweier Disziplinen, von denen ich nahezu keine Ahnung habe: Schach und Tai Chi Chuan. Vom Schach war er schon als kleines Kind hin und weg, mit Tai Chi Chuan hat er später begonnen. Wie kann es sein, dass er in so unterschiedlichen Feldern Spitzenleistungen entwickelt hat? Seine größte Fähigkeit ist, wie er selbst schlussfolgert, nicht Schach oder Tai Chi Chuan. Es ist die Kunst des Lernens. Genau darüber hat er ein Buch geschrieben: The Art of Learning*.

Er erzählt darin von einem Trainingspartner, der ihn ständig in der Kampfform des Tai Chi besiegt hat, bevor er den Angriff überhaupt bemerkt hat. Von diesem Gegner hat Josh Waitzkin sich immer und immer wieder besiegen lassen. Irgendwann war seine Wahrnehmung so geschult, dass er die Angriffe kommen sah und schnell genug agieren konnte. Er begann seinerseits zu siegen. Und der Trainingspartner begann ihn zu meiden. Damit vergab dieser die Chance, ebenfalls besser zu werden.

Das ist ein anschauliches Beispiel für zwei entgegengesetzte Haltungen zu den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Eine davon erschließt unsere Potenziale, die andere hält uns im Status Quo fest.

Das Selbst entwickeln oder bestätigen

Carol Dweck hat in ihren Studien diese zwei Grundhaltungen untersucht. Ich lasse sie gerne erst einmal selbst zu Wort kommen. Da sie hier Englisch spricht, schreibe ich danach noch ein paar Worte.

Die zwei Grundhaltungen, die sie in Selbstbild* beschreibt sind:

  1. Statisches Denken versus
  2. Dynamisches Denken

Die erste Einstellung lautet: Meine Fähigkeiten und Möglichkeiten sind von meinen Talenten und Begabungen bestimmt. Dadurch sind sie von vornherein festgelegt.

Die zweite Einstellung lautet: Meine Fähigkeiten und Möglichkeiten entwickle ich durch

  • meinen Lerneinsatz,
  • meine Lernstrategien und
  • durch die Unterstützung guter Mentoren

Beim Statischen Denken sind Fehler und Misserfolge Bedrohungen für das Selbstbild. Da bekommt das Ego vor jeder neuen Herausforderung neue Panik. Wenn ich verliere oder nicht bestehe, ist es besiegelt: Ich bin unfähig und dumm. Die Konsequenz ist erbärmlich: Ich wage nichts. Und zwar unabhängig davon, ob ich mich für vorherbestimmt klug oder dämlich halte. Auch die vermeintlich Kluge würde riskieren, dumm dazustehen. Das würde ihr Selbstbild zerstören und, so die Annahme, Verwandte und Freunde enttäuschen. Klar: Wer will sich schon mit einer Versagerin brüsten? Carol Dweck beschreibt, wie Kindergartenkinder mit diesem ‚Mindset‘ lieber das schon bekannte Puzzle wiederholt haben und ihren Erfolg bestätigt haben als eines mit mehr Teilen auszuprobieren.

Beim Dynamischen Denken sind Fehler und Misserfolge natürliche Lernerfahrungen. Sie definieren nicht die Person. Es gibt keinen Grund, das Bekannte zu wiederholen. Langweilig! Die Kindergartenkinder wählen die nächste Herausforderung. Wenn sie es nicht schaffen, müssen sie sich eben mehr anstrengen oder von jemandem lernen, der es besser weiß.

Jemand, der etwas besser kann, wirkt inspirierend auf jemanden mit dynamsicher Einstellung. Für jemanden mit statischer Einstellung ist er eine Bedrohung. Genau das beschreibt das obige Beispiel von Josh Waitzkin und seinem Trainingspartner.

Noch nicht bestanden – Wie wir ein ‚Growth Mindset‘ fördern können

In ihrem Stanford Alumni Vortrag erzählt Dweck von einer High School in Chicago. Wer durch die Prüfungen fällt, bekommt ein ‚Noch nicht bestanden‘. Damit drückt die Schule aus: Wenn du dir Mühe gibst, kannst du es beim nächsten Mal schaffen.

Unser ‚Mindset‘ ist veränderbar. Ohnehin kann es für unterschiedliche Lebensbereiche verschieden aussehen. Auch in einem Bereich kann ich mal so mal so denken. Also kann ich auch beobachten, was bei mir welche Einstellung antriggert.

Dwecks Studien haben gezeigt, dass unterschiedliche Fragestellungen und Rückmeldungen das statische und dynmische Denken fördern. Entscheidend ist bei Lob und Kritik: Es geht um den Prozess, nicht um Talent oder Begabung. Lob und Kritik sollten wir entsprechend auf den Einsatz, die Hartnäckigkeit oder die Entwicklung beziehen. Das gilt auch für unsere Selbstgespräche.

Es geht nicht alles aber es geht mehr

Diese Erkenntnisse bedeuten nicht, dass alle die gleiche Ausgangsbasis haben und jeder alles werden kann. Sie bedeuten aber, dass niemand auf seinem jetzigen Stand bleiben muss. Das gilt für unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten genauso wie für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen – und für die Entwicklung der Lebenskunst.

In ihrem Vortrag erzählt Carol Dweck vom Brief eines 14jährigen. Er habe ihr Buch gelesen und es habe ihn gefreut, dass es auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Deshalb hat er die dynamische Haltung in drei Lebensbereichen ausprobiert. Mit folgenden Ergebnissen:

  • Er hat bessere Noten in der Schule.
  • Er hat eine bessere Beziehung zu seinen Eltern.
  • Er hat eine bessere Beziehung zu seinen Mitschülern.

Sein Fazit: Er muss feststellen, dass er den größten Teil seines bisherigen Lebens verschwendet hat. Carol Dweck und ihr Publikum lachen. Er hat hoffentlich noch viel Leben vor sich.

Verschwenden wir unser Leben nicht mit den Etiketten, die andere oder wir selbst uns gegeben haben, sondern stellen uns neugierig den Herausforderungen und lernen aus unseren Misserfolgen.


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Autor: Lydia Girndt

Lydia Girndt ist Diplom-Psychologin, Beraterin und Autorin. Ihre Leidenschaft ist die Persönlichkeitsentwicklung.

2 Gedanken zu „Dynamisches Mindset – Jeder kann besser werden“

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